«Wenn man nach dem Lesen nur schon einmal zehn Sekunden ernsthaft und aufrichtig über das Thema nachgedacht hat, bin ich zufrieden», sagte der Zürcher Autor Thomas Meyer am Mittwochabend im Mehrzweckraum der Kantonsschule Ausserschwyz. Auf Einladung der Pädagogischen Hochschule Schwyz diskutierte er mit PH-Dozentin Tiziana Merlo und Schüler*innen der FM1 über den Essayband «Was soll an meiner Nase jüdisch sein?», der vor knapp fünf Jahren erschienen ist. Das Buch sei eine Reaktion auf unzählige unschöne, oft auch verstörende Erlebnisse, erklärte Meyer auf die Frage, warum er sich dieses schwierigen Themas angenommen habe. Nicht das Äussern von antisemitischen Klischees sei das grösste Problem, sondern das Beharren darauf und das Leugnen. Vorurteile und nicht reflektierte Meinungen haben wir alle, nicht nur in Bezug auf das Judentum. Schonungslos offen liess Meyer das Publikum auch in seine eigenen Abgründe blicken und schlussfolgerte, dass unangemessenes, auch verletzendes und abwertendes Verhalten ganz offensichtlich zu den Schutzmechanismen des menschlichen Egos gehöre. Der Antisemitismus mit all seinen verhängnisvollen Klischees sei wohl einfach das älteste und hartnäckigste Gerücht, das das Gespräch und das Miteinander erschwere. Mit seinem Buch lädt uns Meyer dazu ein, uns unseren Defiziten und blinden Flecken aufrichtig zu stellen. Auch wenn die Probleme dadurch nicht gelöst werden, leisten Selbstbefragung und Aufrichtigkeit einen wichtigen Beitrag, weil wir uns unserer Unzulänglichkeiten bewusst werden.

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