Die Maturfeier war vor zwei Wochen, die Schüler*innen sind längst in den Ferien, im Militär oder am Arbeiten. Alle haben das Maturazeugnis erhalten und eine Rückkehr ins Schulhaus in Nuolen wäre selbst bei höchstem Heimweh-Leidensdruck unmöglich – die Schule ist wörtlichen Sinne eine Baustelle und die M4C gehörte zu den vorerst letzten Nuolener Maturaklassen. Da stellt sich natürlich auch die Frage, was bleibt. Unsere Zusammenarbeit war vergleichsweise kurz. Meine sehr geschätzte Kollegin konnte die Klasse krankheitshalber nicht zur Matura führen, weswegen ich im allerletzten Semester einsprang.
Neben spannenden Gesprächen über Texte, Prüfungserwartungen und organisatorischen Details bleiben mir insbesondere die Portfolioarbeiten in Erinnerung, welche die Schüler*innen zu einer ausgewählten individuellen Maturalektüre gestaltet haben. Sie sind gleichermassen Dokumente des Kennenlernens und des Abschieds und zeugen von ungeahntem kreativem Potenzial der Maturand*innen und höchst individuellen Zugängen. Ich hatte den Schüler*innen mehr oder weniger eine carte blanche gegeben und ihnen grösstmögliche gestalterische und methodische Freiheit zugestanden. Dass sich das gelohnt hat, zeigen die folgenden Beiträge. Ich selber habe dabei gelernt, dass ich in Zukunft den Schüler*innen (noch) mehr zu- und vertrauen sollte.
Luke hat sich mit dem Ende von Theodor Storms Schimmelreiter schwergetan, sich einen alternativen Schluss erdacht und mit KI den Stil des norddeutschen Realisten nachempfunden:
Die Geschichte über Hauke Haien endet damit, dass seine Frau Elke und seine Tochter Wienke während der Sturmflut mit ihrem Wagen von den Wassermassen mitgerissen werden. Hauke macht sich schon vorher Vorwürfe, weil er seine Pflicht als Deichgraf nicht vollständig erfüllt und den alten Deich nicht erneuert hat. Als er dann sieht, dass seine Familie von der Sturmflut erfasst wird, stürzt er sich mit seinem Schimmel selbst in die Fluten und ruft: „Herr Gott, nimm mich; verschon die andern!“ Danach stirbt Hauke Haien. Später entsteht die Sage, dass er als Schimmelreiter bei Sturmfluten wieder auf dem Deich erscheint.
Das Ende war meiner Meinung nach etwas abrupt. Um die düstere Stimmung beizubehalten, wäre meiner Ansicht nach, ein anderes Ende passender gewesen. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, an das Ende von Theodor Storm ein paar Details hinzuzufügen. Dadurch habe ich das Ende verändert und meiner Meinung nach gut der düsteren Stimmung angepasst.

Dario hat „Leonce und Lena“ von Georg Büchner gelesen und daraus eine interaktive Klick-Story gemacht:

Nadja hat sich in Gottfried Kellers Novelle „Die missbrauchten Liebesbriefe“ eingemischt und selber einen Brief aus Wilhelms Perspektive an Gritli geschrieben.

Dazu hat sie noch ein Quiz erstellt, wo man selber miträtseln und schreiben kann:
Lavinia hat sich „Becks letzter Sommer“ von Benedict Wells ausgesucht, über die Bedeutung der Langspielplatte sinniert und ein tolles Webspecial erstellt.

Bors hat sich in Kafkas Strafkolonie begeben und mit einem Video ein Selbstquiz erstellt – ein recht abgründiges Vergnügen.. Wer sein Kafka-Wissen testen möchte, kann dies hier tun.

Domitille hat zu Wolfgang Herrndorfs Schelmenroman „Tschick“ eine umfangreiche Ermittlungsakte angelegt.
Im folgenden Quiz heftet ihr euch selber an die Fersen von Tschick und Maik. Könnt ihr die beiden Vögel überführen oder seid ihr am Ende die Gelackmeierten? Etwas ist klar: Bei einer Romanlektüre kommt niemand ungeschoren davon…
Janas Auseinandersetzung mit Dirk Kurbjuweits „Zweier ohne“ sprengt den Rahmen dieser Webseite: Sie hat ein umfangreiches Lapbook gestaltet, welches ich hier noch in abgefilmter Form zeigen kann. Lesen ist auch ein sinnliches Erlebnis!
Josef hat Kleists Novelle „Das Erdbeben in Chili“ in Zeitungsseiten verwandelt. Dabei ist leicht zu ersehen, wie viel Nachrichten die haarsträubende Story noch heute besitzt.

Cécile hat aus einer Szene von E.T.A. Hofmanns „Der Sandmann“ eine Comic-Bildstrecke gewonnen.
„Max Faber sieht Fakten, aber keine Menschen“ – mit diesen Worten bringt Nabil die Weltsicht des Protagonisten von Max Frischs Roman „Homo Faber“ auf den Punkt. In seinem Podcast stellt er sich die Frage nach der Bedeutung des Zufalls und arbeitet er sich am Charakter des Technikers ab, der alles erklären kann, ohne es deswegen auch verstanden zu haben.

Claudio hat Thomas Manns Novelle „Mario und der Zauberer“ gelesen. Daraus ist eine interaktive Klickstory entstanden, wobei man selber Teil der Geschichte werden kann.

Wer behauptet, Kleists „Der zerbrochene Krug“ sei eine verworrene Geschichte – Raphael hat den graphischen Beweis erbracht und die Fäden entworren.

Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“ als True-Crime-Podcast – Niklas hat ihn konzipiert, eingesprochen und produziert.

Die Twannbachschlucht bei Lamboing – Quelle des Twannbachs und von Dürrenmatts Kultkrimi. Niklas hat den Soundtrack geliefert.
Hier kann man miträtseln. Werde selber Bärlach..
True-Crime-Dürrenmatt zum Zweiten: Christian hat „Der Verdacht“ bearbeitet, eingesprochen und produziert.

Wer auch hier den Bärlach geben möchte, kann dieses Quiz lösen…






































































